Am Tresen

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Gummierte Abende aus dem Schlaf reißen, gerafften Röcken nachsehen und die Phantasie zwei Purzelbäume unterhalb der Schamgrenze einfrieren.

Am Nebentisch eine welkende Rose, sie trägt Kontaktlinsen, das Blau ist nicht von dieser Welt. Sie kokettiert damit und mit ihren imaginären Locken, die sie sich minütlich aus dem Gesicht streicht.

Wie einsam mag sie sich fühlen, in dieser frittierten Kneipe, vor der keine dicken Schlitten parken und der Bierdeckel mit kleinen Scheinen beglichen wird, ein paar Haltestellen vom Hauptbahnhof ihres Lebens entfernt?

Wie zum Trost weitere Gäste, Gestrandetere als sie, mit lauten Begrüßungen, und ihr Lachen wirkt für eine Sekunde nicht gequält, für diesen Moment der Einäugigen unter Blinden.

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Text: emeier am 04.08.2006 08:46:40 - - | Diesen Beitrag drucken | - Thema: Fragmente

Tagwerk

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Die Gedanken entwildern, ihnen die Suggestion nehmen und die Giftzähne ziehen.
Tatsachen in ihr tatsächliches Licht rücken, wie wahr ist die Wahrheit, wenn die Projektoren justiert sind?

Die Gelassenheit zu Tisch bitten, sie nicht gerade hofieren, aber Gastfreundschaft zeigen und regelmäßig nachschenken.

Träume entvölkern, hier und da jemanden in Rente oder ins Exil schicken, das ist ein wenig situationsabhängig.

Das Leben in ein Einmachglas füllen, den Deckel gut verschließen, schütteln, danach in aller Ruhe die Konsistenz prüfen; wie wirkungslos ist die Wirklichkeit?


Text: emeier am 03.08.2006 09:30:00 - - | Diesen Beitrag drucken | - Thema: Fragmente

Bordures

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Das blankrasierte Kinn gereckt, der Blick klebt am Regal hinter dem er sie vermutet. Sein Kopf ist leicht gerötet, der Kontrast zum weißen Hemd überdeutlich, er fürchtet, selbst im Fokus zu stehen.

Ihre Fußstellung lässt auf eine Tänzerin schließen, sie hat sehr schöne Waden, findet er, sie dreht sich etwas zur Seite, sein Blickfeld erweitert sich und er kann ihre Beine bis knapp über dem Knie sehen. Sie trägt kurz denkt er durch zwei Regale hindurch, als plötzlich eine Stimme nicht weit hinter seinem Ohr fragt:

Vous désirez, Monsieur?

Erschrocken zieht er seine Hand zurück, das spitzenbesetzte Teil zittert wie ein Fähnchen im Wind und er streicht noch einmal kurz darüber, zupft unten bei den Druckknöpfen, als hätte er es mit seinen Berührungen entweiht und könnte nun das Geschehene rückgängig machen.
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Text: emeier am 27.06.2006 12:37:33 - - | Diesen Beitrag drucken | - Thema: Fragmente