A une peinteuse morte

a une peinteuse morte Wer dich nicht gekannt hat, schüttelt den Kopf über den Humor, mit dem du den Piloten gefagt hast, ob er dich nun zum Probegucken mitnehmen würde. Mit brüchiger Stimme hattest du das in die Stille hinein gefragt, lange vor dem Surren der Rotorblätter und dennoch: Man musste die Worte mehr von deinen Lippen lesen, als dass sie hörbar gewesen wären.
Die Enttäuschung war dir anzusehen, denn so festgeschnallt konntest du überhaupt nichts erkennen, ausser einem kleinen Stück blauen Himmels über dir. Deiner ganz eigenen kruden Logik folgend, nach der du den kranken Körper mit einer abgewrackten Karosse zu vergleichen pflegtest, gingst du über zum Probeliegen in dieser weißroten Wolke aus knatterndem Blech.

Oh, du hast dir Zeit gelassen mit deinem Probeschlaf. Die Wolke hatte dich längst abgeregnet und die weiße Meute war mit polierten Werkzeugen deiner Biomechanik zu Leibe gerückt. Nach drei Stunden fuhren sie dich hinaus und es erinnerte an eine Probefahrt, weil sie dich später wieder herein holten, wieder hinaus fuhren, nur um dich tags darauf noch einmal genau zu inspizieren. Es war kein Feintuning, das sie deinem ehedem zarten Körper angedeihen ließen, nein, sie schwitzten bei ihrer Arbeit. Kaum hatten sie eine Stelle geschnitten, geheftet, genäht, brach etwas anderes auf, drohte ein weiteres Organ zu kollabieren, und alles begann von vorn.



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Text: emeier am 18.11.2006 12:35:21 - - | Diesen Beitrag drucken | - Thema: Prosa

Gau-Zeit

Poesies SepiaIch kehre dem Kraichgau endgültig den Rücken, deponiere meinen Hausstand in einer Scheune im Breisgau und mache mich auf den Weg. Drei große Kartons mit Klamotten und Büchern, eine hölzerne Weinkiste mit Küchenutensilien, zwei prall gefüllte Taschen Kleinkram, ein Fahrrad vom Sperrmüll; meine ganze Aussteuer für die kommenden achtzehn Monate. Wir fahren zu viert, meine Begleiter ziehen weiter, ich werde das Gefühl nicht los, als erwarteten sie, dass ich einen Rückzieher mache, wieder die Heimreise mit ihnen antrete.
In der Nacht passieren wir die Grenze, die damals noch eine ist. Nicht nur wegen der Zollschranken und Grenzposten, sondern weil es anders riecht.
Die schwarzen Müllsäcke, zerrissen und zerfressen von Hunden, Katzen und Ratten, die sich am Inhalt schadlos halten. Es bleiben immer Reste übrig, sie vergammeln am Boden, in einer Rinne, sie vermischen sich mit Ruß, Hundekot und Staub. Dazu der Geruch von Gips und altem Gemäuer der bröckelnden Fassaden. Am Ende bleibt eine undefinierbare, transparente Wolke aus Duft und Gestank, die olfaktorische Visitenkarte einer Stadt, eines ganzen Landes.

Die Grenze, sie ist auch die GAU-Grenze. Vier Monate sind seit den Ereignissen in einem unbedeutenden Kaff in Weißrussland vergangen. Der Name hält mit der Halbwertszeit seiner Ruinen mutig Schritt. Die Wolke hatte nach offizieller Lesart Einreiseverbot.



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Text: emeier am 04.03.2006 20:15:58 - - | Diesen Beitrag drucken | - Thema: Prosa

Tío Pepe ( 4 )

obstler

Mittlerweile ist die illustre Truppe vollzählig, Helga sitzt in der Mitte, umrankt von all den aufgebretzelten Schönheiten, genießt sie die Lobeshymnen auf ihre Torten, und ich glaube irgendwie ist das der Tag, an dem sie sich wieder einige Jahrzehnte jünger fühlt. Ihrem Adalbert drückt sie am D-day einen Hunderter in die Hand, begleitet ihn noch zur Bahn, um sicherzugehen, dass er auch wirklich wegfährt, und wehe ihm, wenn er zurückkehren sollte, noch ehe sie friedlich schlummert. Das war im ersten Jahr der Fall, da war er plötzlich angedudelt aufgekreuzt und meinte seine Holde aus den Fängen dieser "Bestien" reißen zu müssen. Daraufhin blieb zwei Wochen die Küche kalt, und sein Taschengeld reichte während dieser Zeit gerade mal für ein tägliches Bier. Seither verhält er sich korrekt. "He Tío, der Kleine soll Hausaufgaben machen und nicht lernen, wie eine Leitschwester zu tucken!" Es gelingt mir noch dem Aschenbecher auszuweichen, aber das Glas liegt am Boden. Oder besser: Das was davon übrig ist. "He, ich habe nachher wieder den Stress mit seiner Mutter, wenn er ihr erklärt, wie ein doppelter Colliergriff geht. Die meint dann wieder, wir würden dem Kind dummes Zeugs lernen, aber was habe ich damit zu tun? Du bist ja schließlich seine Tante!" Diesmal habe ich nicht aufgepasst und das Feuerzeug trifft mich volle Breitseite, aber Tío grinst schon wieder und der Kleine lacht sich auch krumm. Er scheint es zu genießen, dass hier Stimmung ist, zuhause geht wohl alles ein wenig langweiliger ab. ... Ende ... vorläufig zumindest...


Text: emeier am 07.09.2004 00:16:41 - - | Diesen Beitrag drucken | - Thema: Prosa