Drap blanc
Diese Nacht, ein einziges Aufatmen, an deren Ende ich dir trunken vor Glück ein Versprechen abringen wollte.
Dieser alles entscheidende Satz, den du mit einem Grinsen mehr quittiert als beantwortet hast.
Willst du meine Frau werden? Wie verrückt konnte ich sein, ihn noch einmal zu wiederholen, ihn auf dieser verfluchten Straße zu wiederholen, zwei Spitzkehren vom Himmel entfernt?
War es deine Absicht, oder wirklich ein Unfall habe ich mich später gefragt. Später, als du neben diesem Gerät lagst, es malte grüne Zuckerhüte, immer wenn deine Wimpern sich zum Aufstehen anschickten.
Neun Tage lang habe ich gewartet, abwechselnd auf das weiße Laken und auf das Gerät gestarrt, jede neue Sekunde konnte wieder einer dieser seltenen Zuckerhüte rechts aus der Ecke kommen und wieder in sich zusammenfallen, Platz machen für die vielen kleinen nichtssagenden Hütchen.
Der neunte Tag, dieser unsägliche neunte Tag, jede Sekunde ein Bild und jederzeit abrufbar. 11 Uhr 27 der erste große Zuckerhut des Tages, 30 Sekunden später der zweite.
Ich hetzte die Treppen hinunter in den Park und war 11 Uhr 31 wieder mit einer Rose zurück. Der Protokollstreifen hatte keinen Zuckerhut mehr gemalt, ich war erleichtert.
13 Uhr 17 holte ich die Rose aus der Vase, drehte sie langsam in der Hand, fünf Minuten später umklammerte ich den Stil mit der Faust, wieder und wieder. Der Schmerz, ich verspürte keinerlei Schmerz bis 14 Uhr 2, als ich die Rose wieder in die Vase gesteckt hatte.
Mein Blut auf dem Laken, die kleinen grünen Hütchen, die zerzauste Rose, ich war am Ende. Neun Tage auf ein Gerät starren und die Hoffnung im Grafikmodus erleben, perforiert die Seele.
16 Uhr 25 war ich zurück, der Pfleger tat einen Schritt zur Seite, er nickte kurz mit dem Kopf, die Lippen zusammengepresst.
Das Zimmer war leer, der Protokollstreifen zeigte noch einen Zuckerhut, darunter die Zahlen 16:22:45.
Dieser alles entscheidende Satz, den du mit einem Grinsen mehr quittiert als beantwortet hast.
Willst du meine Frau werden? Wie verrückt konnte ich sein, ihn noch einmal zu wiederholen, ihn auf dieser verfluchten Straße zu wiederholen, zwei Spitzkehren vom Himmel entfernt?
War es deine Absicht, oder wirklich ein Unfall habe ich mich später gefragt. Später, als du neben diesem Gerät lagst, es malte grüne Zuckerhüte, immer wenn deine Wimpern sich zum Aufstehen anschickten.
Neun Tage lang habe ich gewartet, abwechselnd auf das weiße Laken und auf das Gerät gestarrt, jede neue Sekunde konnte wieder einer dieser seltenen Zuckerhüte rechts aus der Ecke kommen und wieder in sich zusammenfallen, Platz machen für die vielen kleinen nichtssagenden Hütchen.
Der neunte Tag, dieser unsägliche neunte Tag, jede Sekunde ein Bild und jederzeit abrufbar. 11 Uhr 27 der erste große Zuckerhut des Tages, 30 Sekunden später der zweite.
Ich hetzte die Treppen hinunter in den Park und war 11 Uhr 31 wieder mit einer Rose zurück. Der Protokollstreifen hatte keinen Zuckerhut mehr gemalt, ich war erleichtert.
13 Uhr 17 holte ich die Rose aus der Vase, drehte sie langsam in der Hand, fünf Minuten später umklammerte ich den Stil mit der Faust, wieder und wieder. Der Schmerz, ich verspürte keinerlei Schmerz bis 14 Uhr 2, als ich die Rose wieder in die Vase gesteckt hatte.
Mein Blut auf dem Laken, die kleinen grünen Hütchen, die zerzauste Rose, ich war am Ende. Neun Tage auf ein Gerät starren und die Hoffnung im Grafikmodus erleben, perforiert die Seele.
16 Uhr 25 war ich zurück, der Pfleger tat einen Schritt zur Seite, er nickte kurz mit dem Kopf, die Lippen zusammengepresst.
Das Zimmer war leer, der Protokollstreifen zeigte noch einen Zuckerhut, darunter die Zahlen 16:22:45.
Aus dem Ballettzyklus "Fuir le bonheur" - 2ter Akt
Rouge à levres
Treppen steigen und unsere Schatten an die verfallenen Fassaden kleben. Weiter, immer weiter, versuchen Schritt zu halten mit ihr, die mehr schwebt als sie geht.
Kleine Plätze wie Innenhöfe durchschreiten, lederhäutige und rundliche Männer sitzen beim Pastis und gestikulieren. Sie halten inne, Gespräche verstummen und ich recke meinen Kopf noch etwas höher, gehe einen Tick gerader noch als sonst.
Meine Hand ruht am Ende ihres Rückens, zaghaft wie es nur frisch Verliebte tun, als könnten die imaginären Flügel unter dem Druck knicken.
Aus Sekunden Stunden und Tage machen, wenn wir kurz stehen bleiben, sie mich ansieht, mit diesen Augen in denen sich die Wellen brechen. Weiter gehen, die Hüften reiben aneinander, das Gesicht verzogen zu diesem dämlichen Grinsen wie nach einer endlos sinnlichen Nacht. Noch einmal eine Zungenspitze Salz aus ihrer Halsbeuge stehlen, wieder die Augen öffnen und spüren wie das Gesicht versteinert gleich der Wand, auf die ich zu starren beginne.
Mon Amour – wie gereckte Lippen die ersten Buchstaben und immer heller werdend, weil dein Lippenstift dieser Tortur auf dem rauen Putz nicht lange standgehalten hatte. Die Wand, diese vermaledeite Wand hinter die wir beide geflüchtet sind und uns geliebt haben, wieder und wieder, getrieben von unserer Angst vor einem endgültigen Morgen.
Kleine Plätze wie Innenhöfe durchschreiten, lederhäutige und rundliche Männer sitzen beim Pastis und gestikulieren. Sie halten inne, Gespräche verstummen und ich recke meinen Kopf noch etwas höher, gehe einen Tick gerader noch als sonst.
Meine Hand ruht am Ende ihres Rückens, zaghaft wie es nur frisch Verliebte tun, als könnten die imaginären Flügel unter dem Druck knicken.
Aus Sekunden Stunden und Tage machen, wenn wir kurz stehen bleiben, sie mich ansieht, mit diesen Augen in denen sich die Wellen brechen. Weiter gehen, die Hüften reiben aneinander, das Gesicht verzogen zu diesem dämlichen Grinsen wie nach einer endlos sinnlichen Nacht. Noch einmal eine Zungenspitze Salz aus ihrer Halsbeuge stehlen, wieder die Augen öffnen und spüren wie das Gesicht versteinert gleich der Wand, auf die ich zu starren beginne.
Mon Amour – wie gereckte Lippen die ersten Buchstaben und immer heller werdend, weil dein Lippenstift dieser Tortur auf dem rauen Putz nicht lange standgehalten hatte. Die Wand, diese vermaledeite Wand hinter die wir beide geflüchtet sind und uns geliebt haben, wieder und wieder, getrieben von unserer Angst vor einem endgültigen Morgen.
Aus dem Ballettzyklus "Fuir le bonheur" - Beginn 2ter Akt
Place de Lenche
Vor einem Café sitzen und auf das Fenster sehen, hinter dem Rimbaud vom Wundbrand verschluckt wurde. Wer mag jetzt dort liegen und auf den finalen Sensenhieb warten?
An einem Peroquet nippen, zarte Finger auf dem Schenkel spüren und wieder in die Realität eines Traums zurückkehren.
Mit den Händen in ihren Haaren glitzernde Augen ertauchen, immer weiter, immer tiefer, den Atem dabei anhalten, wie tief können Augen sein? Nach Luft japsen und den Lippen, diesen göttlichen Lippen den Hof machen und wieder Apollinaire:
Engel, ganz frisch, heute früh von Bord.
Gegenüber die mit den Rosen, sie liegen im Rinnstein, zwischen zwei Freiern schickt sie ihre Galle an unseren Tisch.
Ein paar Münzen fallen lassen und barfuß an der Mole entlang rennen, die schweißkalten Finger aneinandergeklebt und die Espadrilles wie Wimpel nach oben gestreckt.
An einem Peroquet nippen, zarte Finger auf dem Schenkel spüren und wieder in die Realität eines Traums zurückkehren.
Mit den Händen in ihren Haaren glitzernde Augen ertauchen, immer weiter, immer tiefer, den Atem dabei anhalten, wie tief können Augen sein? Nach Luft japsen und den Lippen, diesen göttlichen Lippen den Hof machen und wieder Apollinaire:
Engel, ganz frisch, heute früh von Bord.
Gegenüber die mit den Rosen, sie liegen im Rinnstein, zwischen zwei Freiern schickt sie ihre Galle an unseren Tisch.
Ein paar Münzen fallen lassen und barfuß an der Mole entlang rennen, die schweißkalten Finger aneinandergeklebt und die Espadrilles wie Wimpel nach oben gestreckt.
Auszug aus: Fuir le bonheur