Halbnacht

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Den Morgen ungestüm begrüßen und den Träumen das Fett absaugen, noch ehe sie sich breit in den beginnenden Tag fläzen.

Den Duft der Venus so lange es geht in der Nase behalten und heute die Reste erst spät vom Tabak absorbieren lassen.

Lächelnd mit einer Weintraube spielen und sich vom Gedanken an die herrlich glatten Knospen der vergangenen Nacht wieder verführen lassen.

Den Kalender studieren, rechnen, noch einmal nachrechnen, ständig zwischen Panik und Vorfreude wechseln und langsam eine tiefe Wärme spüren.

Mit geschlossenen Augen ein eigenes Orchester dirigieren, der Symphonie lauschen, während die vergangenen Stunden im Sekundentakt defilieren.
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Aus dem Zyklus "Rosen zum Frühstück"



Text: emeier am 19.08.2006 08:38:42 - - | Diesen Beitrag drucken | - Thema: Rosen zum Frühstück

Nachtrag

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All die Geräusche der Nacht, das Rascheln im Unterholz und dein Atem dicht an meinem Ohr.
Unsere vorsichtigen Schritte, peitschende Äste und die Brennesseln auf der Lichtung, bei der du zitternd auf mich wartest.
Deine Augen, die sich nicht an die Dunkelheit gewöhnen wollen und deine ausgestreckte Hand, als du mich näher kommen hörst. Drei Minuten vielleicht, höchstens, wie lange können drei Minuten sein, wenn man wartet?
Das Wissen um deine Angst lässt mich nach einem Pfad suchen, und als ich glaube den richtigen gefunden zu haben, kehre ich um, kündige mich mit einem Rufen an und hoffe, dass es dich beruhigt.

Nehme deine Hand, sie ist feucht, führe dich hinter mir her, erkläre dabei jeden Schritt, Vorsicht, hier liegt ein Ast am Boden, gleich kommt ein Stein.
Dein Vertrauen, ich spüre dein Vertrauen in meinen Fingern, es macht mich stolz, ich sage Stop und drehe mich zu dir um, küsse dich sanft, ein zärtliches Danke, wortlos.
Wir erreichen den Weg, gehen jetzt nebeneinander, eng, sehr eng gehen wir. Zu eng schon, weil wir bei jedem Schritt darauf achten müssen, dass wir uns nicht auf die Füße treten.
Wir bemerken es gleichzeitig, ich höre dein "Chn" und grinse dabei, erreichen endlich eine Bank, unsere Bank.

Die Glühwürmchen sind heute in Ferien.
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Aus dem Zyklus "Rosen zum Frühstück"



Text: emeier am 17.08.2006 11:22:36 - - | Diesen Beitrag drucken | - Thema: Rosen zum Frühstück

Davor

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Abends sich gegenüber sitzen, den Blick halten und auf dein nächstes "chn" warten, das du mit der selben Selbstverständlichkeit wie den Rauch ausbläst.
Deine Verlegenheit gemeinsam überspielen, wenn wir an unserem Strohhalm ziehen, lange und genüsslich, jeden Tropfen auf seine Qualität überprüfend.

Bedächtig eine Zigarette drehen, ganz Konzentration, dein Blick tastet über meine Lippen, wenn ich das Papier anfeuchte.
Dich über den dünnen Brillenrand hinweg ansehen, du hältst dem Blick gerade mal drei Sekunden stand, ziehst dir selbst eine Zigarette, wieder ein "chn", deine Hände zittern leicht.

Dein Blut zirkuliert nicht mehr, es wird durch die Venen getrieben, als fiele es aus den Höhen einer Felswand, prasselnd und unerschöpflich wie ein Wasserfall.
Unsere Fingerkuppen nähern sich, berühren sich fast, spüre deine Zehen an meinem Schienbein, noch nie tatest du das.

Ich lasse einen Schein auf die Theke fallen, sicher doppelt so hoch wie unsere Rechnung, egal, aus den Augenwinkeln sehe ich, wie die Bedienung ihn anerkennend einsteckt, aber da stehen wir bereits auf der Straße.

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Aus dem Zyklus "Rosen zum Frühstück"



Text: emeier am 04.08.2006 13:13:58 - - | Diesen Beitrag drucken | - Thema: Rosen zum Frühstück